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Von der Raupe zum Schmetterling - ein Osterprojekt  

Es ist jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung für alle Religionspädagogen, die Osterbotschaft der Auferstehung Jesu den Schülern zu erklären. Für den evangelischen Religionsunterricht der Klassenstufe 5 habe ich mich dafür entschieden, die Auferstehung Jesu an der Metamorphose einer Raupe zu einem Schmetterling zu erklären: Aus etwas scheinbar Totem, der verpuppten Raupe, entsteht neues Leben, der Schmetterling. Und so entstand unser Raupen-/Schmetterlingsprojekt.

Über das Internet habe ich 2 Schmetterling-Sets bestellt, so dass wir insgesamt 10 Raupen zur Verfügung hatten. Danach wurden diese unter den Schülerinnen und Schülern aufgeteilt, was sich als nicht ganz so einfach erwies, da 9 Raupen unter 14 Schülern zu verteilen waren. So diente dieses Projekt auch noch dazu, die soziale Kompetenz unserer Schüler zu fördern. Sie bekamen ein Schälchen mit der Raupe und etwas Futter (pürierte Distel und Fruktose) mit nach Hause, mussten die Raupen aber noch mit Brennnesseln zufüttern, für den Fall, dass das mitgelieferte Futter nicht ausreichen sollte. Sie durften ihrer Raupe noch einen Namen geben, den sie am Vlies, das unterhalb des Deckels befestigt war, aufschreiben konnten. Somit war gewährleistet, dass die Schüler die Metamorphose ihrer „eigenen Raupe“ mitverfolgen konnten. Als die Schüler die Raupen mit nach Hause bekamen, waren diese ca. 7 Tage alt.

Was dann geschah, berichtet sehr anschaulich das „Raupentagebuch“ eines Fünftklässlers:

Tag 1: Mit der Raupe war es sehr spannend, denn heute spannte sie die ersten Netze durch ihre Dose. Am Abend hing sie sich an ihr Netz und fraß die Distelmasse und Brennnesseln.

Tag 2: Am heutigen Tag hing sie eigentlich nur über Kopf und fraß. Aber sie versuchte auch schon, sich an das Vlies zu hängen.

Tag 3: Heute machte sie einen ca. dreistündigen Anlauf, sich an das Vlies zu hängen und schaffte es schließlich auch. Ab und zu bewegt sie sich noch, wurde aber immer ruhiger. Als ich vom Sport zurückkam, hatte sie sich schon fast ganz verpuppt.

Tag 4: Am Morgen machte sie in ihrem Kokon kaum etwas, denn sie konnte sich ja kaum bewegen. Abends war sie ganz verpuppt.

Tage 5, 6,7: Sie machte an diesen Tagen nichts.

Zu Beginn der Verpuppung hängt die Raupe in Form eines "J" am Vlies. Dann wird die äußere Haut fester, es schillern orangefarbene Farbtöne durch, bis schließlich nach ca. 10 Tagen eine deutliche Dunkelfärbung die baldige Geburt eines Schmetterlings ankündigt. Die Schüler hatten mir in der Zwischenzeit ihre verpuppten Raupen wieder mit in die Schule gebracht, so dass ich diese am Vlies in den Brutlebensraum, der Geburtsstätte der Schmetterlinge, umsetzen konnte. Der Brutlebensraum besteht aus einer dünnen Netzschicht, so dass der geschlüpfte Schmetterling sich nicht verletzen und mit seinen dünnen Beinchen am Netz entlang klettern kann. Nach der Geburt dauert es ca. 1 Std., bis die Flügel fest werden und er in der Lage ist zu fliegen. Dabei wird überschüssige Flügelfarbe (Mekonium) abgedrückt, die rot gefärbt ist und bei den Schülern immer die Vorstellung auslöst, dass der Schmetterling blutet. Den ersten Tag nach seiner Geburt ist der Falter noch sehr unbeweglich, da er sich erst einmal erholen muss. Am 2. Tag wird er beweglicher, er beginnt das Zuckerwasser, das ich auf mehrere Küchentücher pipettiert hatte, zu fressen. Dabei konnten die Schüler beobachten, wie der Schmetterling seinen Saugrüssel aufrollt und so das Zuckerwasser aufnimmt. Die ausgestreuten Blumen sollen den Schmetterling an das Küchenvlies locken. In der folgenden Religionsstunde, als die Falter 2 Tage alt waren, wurden sie im Beisein der Schüler freigelassen.

Das Projekt vermittelte nicht nur die Osterbotschaft, sondern es war für die Schüler ein persönliches Erfolgserlebnis, zu sehen, wie „ihr Schmetterling“ geschlüpft ist und vor allem, dass alle Schmetterlinge es durch ihre Pflege von der wundersamen Wandlung einer unansehnlichen Raupe zu einem schönen Distelfalter geschafft haben.

Doris Schoch, ev. Religionslehrerin

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